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Zehn Jahre „Haustierkost“: Naturnah, artgerecht und serviceorientiert

So könnte das Paradies für Hunde aussehen: In langen Reihen liegen eisgekühlte Päckchen mit Frischfleisch in Truhen, im Raum nebenan stapeln sich getrocknete Snacks. Für die feine Hundenase unwiderstehlich. Den Schlüssel zum Gourmetglück halten Florian Keller und René Mahnert in ihren Händen. Vor zehn Jahren gründeten die beiden Haustierkost, einen Onlinehandel für artgerechtes Futter. Seitdem wuchs das einstige Start up im kleinen Büro in der Düsseldorfer City zum Marktführer für frisches Hunde-, Katzen- und Frettchenfutter, mit inzwischen deutschlandweit 300.000 Kunden und 50 Mitarbeitern. Vor zwei Jahren zog Haustierkost nach Heerdt. Dort steht dem serviceorientierten Onlineanbieter eine Fläche von rund 6.000 qm zur Verfügung. Düsseldogs-Herausgeberin Claudia Hötzendorfer traf die beiden Geschäftsführer und durfte einen Blick in die Abläufe werfen. 

So muss das "Hundeparadies" aussehen. Foto: C. Hötzendorfer

Was gab für Sie den Anstoß einen Versand für naturnahes Hundefutter zu gründen?

Florian Keller: „René hatte einen Golden Retriever, der futtersensibel war. Damit standen immer wieder die Fragen im Raum: Was darf er überhaupt fressen? Was verträgt er und wo bekommt man das dann her? Ich selber hatte zu der Zeit Katzen zuhause und zeitweise auch einen Pflegehund von meinem damaligen Chef. Ich habe immer auf seinen älteren Jack Russell aufgepasst, wenn er verreist war. So war das Interesse an Hunden und Katzen schon gegeben.

Besonders die Frage, woher bekommt man gutes Futter, war nur schwer zu beantworten. Metzger verkaufen normalerweise keinen frischen Pansen. Es gab zwar einige Anbieter in der Umgebung, die naturnahes Hundefutter angeboten haben. Aber das war immer mit viel Fahrerei verbunden und zeitaufwendig. Klar kaufen wir auch gerne stationär ein. Aber sind wir ehrlich, heutzutage erspart man sich sehr viel Zeit und Mühe, wenn man online bestellt.“

Also war schon die Ausrichtung als Online-Shop von vorn herein klar?

Florian Keller:„Uns fehlte der Servicegedanke bei den zu diesem Zeitpunkt bereits bestehenden Angeboten und wir haben das Potenzial sowohl auf der Hundehalter- als auch der Anbieterseite gesehen. Die Nachfrage war ja schon da, lange bevor wir angefangen haben. Im Internet gab es genug Foren zum Thema gesunde Hundeernährung. Allerdings war der ursprüngliche Gedanke, einen eigenen Lieferservice aufzuziehen. Wir hatten uns entsprechende Tiefkühlfahrzeuge und Transportmöglichkeiten angeschaut. Letztlich haben wir dann aber entschieden, dass wir eine größere Reichweite und einen besseren Kundenservice erreichen, wenn wir das Futter über Logistikunternehmen verschicken und für Düsseldorf zusätzlich einen Selbstabholer-Service anbieten. Zum Teil können wir im Stadtgebiet auch mit eigenen Fahrzeugen ausliefern.“

Selbstabholung heißt, im Internet bestellen und dann in Ihrem Lager in Düsseldorf-Heerdt in Empfang nehmen?

René Mahnert: „Wir sind allerdings kein Einzelhandel. Das heißt, die Kunden bestellen, wir verpacken die Ware und die Kunden können sie dann am nächsten Tag abholen.“

Bestellt wird online. Doch Kunden können sich ihr fertiges Futterpaket auch in Düsseldorf-Heerdt selbst abholen. - Foto: C. Hötzendorfer

Florian Keller: „Wir sind als Versandservice ausgelegt. Damit die Kunden nicht lange warten müssen, ist es sinnvoll, wenn sie vorher ausgewählt und bestellt haben. Montags bis freitags können die Kunden ihre Pakete hier abholen kommen.“

Kommen Sie aus dem kaufmännischen Bereich?

René Mahnert: „Ich habe Groß- und Außenhandelskaufmann gelernt und war selbständig.“

Florian Keller: „Ich habe zwar während des Studiums nebenher auch im Handel gearbeitet, bin aber eigentlich Politologe. Am Ende gefiel es mir im Handel besser. Weil ich gern mit Menschen in Kontakt bin und mir die Arbeit auch sehr viel Spaß macht. Von Anfang an, habe ich auch an der Hotline mitgesessen und auch mit ausgeliefert. Es ist immer noch spannend. Wenn Kollegen in Urlaub sind, packen wir immer wieder mit an. Wir bekommen sehr viel Feedback von den Kunden und die E-mails beantworten wir immer noch alle selbst. Die Kundenähe ist uns sehr wichtig.“

Wie schwer war es denn am Anfang Frischfleisch in größeren Mengen zu bekommen? Das sind ja schon andere Dimensionen, als in einer Metzgerei.

René Mahnert: „Wir haben das Glück gehabt, dass wir von Anfang an mit einem hochwertigen und starken Partner zusammengearbeitet haben, der bis heute unser Hauptlieferant ist. So wie wir in den letzten Jahren gewachsen sind, konnten wir uns darauf verlassen, dass auch größere Mengen Fleisch in hoher Qualität über ihn zu bekommen waren. Dafür werden von diesem Lieferanten ganze Schlachtungen aufgekauft.“

Florian Keller: „Man muss natürlich dazu sagen, dass im Lebensmittelbereich sehr viel Fleisch nicht verwertet wird oder Überproduktionen da sind.“

Können Sie dafür ein Beispiel geben?

Florian Keller: „Produktionsspitzen entstehen beispielsweise, wenn der Einzelhandel große Mengen Grillgut ordert, weil das Wochenende bevorsteht und das Wetter spielt nicht mit. Sie können sich vorstellen, wie groß die Mengen sind, die da übrigbleiben. Basierend darauf, sind wir gut versorgt und können so auch eine dauerhafte Lieferung garantieren. Das ist für unsere Kunden natürlich sehr wichtig. Es ist schon unser Anspruch, eine kontinuierliche Lieferung zu gewährleisten. Denn wer Hund, Katze oder auch Frettchen gesund und frisch ernährt, möchte nicht zwischendrin immer wieder auf Fertigfutter umstellen, nur weil es Lieferengpässe gibt.“

Sie haben ein sehr breites Sortiment. Neben Klassikern wie Rind, Huhn oder Lamm, gibt es auch exotisches, wie Känguru, Strauß oder Fasan. Haben Sie damit auf Nachfrage reagiert oder wollten Sie einfach mal ausprobieren, wie diese Fleischsorten von den Kunden angenommen werden?

René Mahnert: „Zum einen gibt es immer mehr Allergiker unter den Haustieren, zum anderen hat das Thema Bio immer mehr Gewicht. Deshalb nehmen wir auch immer wieder neue Produkte ins Sortiment, auch saisonal.“

Neben Klassikern wie Rind, Huhn und Lammfleisch, gehören auch Wild, Fisch oder auch schon mal Känguru zum Sportiment - Foto: C. Hötzendorfer

Florian Keller: „Wobei wir durchaus auch auf Kundennachfrage reagieren. Allerdings nicht grundsätzlich. Insbesondere, wenn es um exotische Wünsche geht. Manche Onlineshops bieten Fleisch von Antilope, Zebra oder Krokodil an. Da hört unser Kundenservice dann doch auf. Klar haben wir auch Känguru im Angebot. Allerdings ist das, ähnlich wie Strauß, eine gängige Fleischsorte in Europa. Es gibt auch genug heimische Fleischsorten, auf die wir ausweichen können. Die Bandbreite ist groß genug als Alternative für Allergiker.“

Welche Fleischsorten sind den besonders beliebt?

Florian Keller: „Vor allem unser Fertig-B.A.R.F. fur Hunde und seit kurzem auch für Katzen. Es besteht ausschließlich aus natürlichen Zutaten. Beim Futter für die Katzen kommt noch Taurin hinzu. In der Zusammensetzung versuchen wir das Beutetier von Hund und Katze nachzustellen ohne künstliche Aroma- oder andere Zusatzstoffe. Das sind unsere beliebtesten Artikel, weil sie es dem Verbraucher sehr leicht machen. Er muss nur noch auftauen und verfüttern. Dabei weiß man jederzeit, was man in de Napf füllt. Das ist artgerechte Ernährung.“

Florian Keller (l.) und René Mahnert haben vor zehn Jahren in einem kleinen Büro in Düsseldorf-Oberbilk angefangen. - Foto: C. Hötzendorfer

Haustierkost gibt es jetzt im zehnten Jahr. Angefangen haben Sie in Düsseldorf-Oberbilk …

Florian Keller: „Tatsächlich haben wir auf der Kirchfeldstraße (Stadtteil Unterbilk) angefangen. Dort hatten wir unser Büro. Uns war da noch gar nicht klar, wo die Reise hingehen wird. Wir wollten ja ursprünglich den Lieferservice selber übernehmen. Zeitweise hatten wir die Thermoboxen bis unter die Decke gestapelt und konnten uns nur noch durch lautes Rufen von einem Schreibtisch zum anderen verständigen. Die nächste Station war dann auf der Spichernstraße in Derendorf. Dort hatten wir rund 300 qm angemietet. Optional hatten wir noch zwei Garagen für Verpackung und Müll. Dann sind wir zur Oberbilker Allee gezogen. Dort haben wir uns anfangs eine Halle mit den Johannitern geteilt. Als die ausgezogen waren, hatten wir rund 1.000 qm. Aber wir wuchsen weiter und haben noch zwei Hallen dazu angemietet. Vor zwei Jahren sind wir dann nach Düsseldorf-Heerdt umgesiedelt. Dort haben wir rund 6.000 qm zur Verfügung.“

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie inzwischen?

René Mahnert: „Zwischen 40 und 50.“

Und wieviel Ware schlagen Sie um?

René Mahnert: „Am Tag sind es ca. 1.000 Pakete.“

Florian Keller: „Wir haben deutschlandweit rund 300.000 Kunden. Die bestellen nicht alle monatlich, aber über das Jahr verteilt. Manche barfen nur in der kalten Jahreszeit, weil sie beispielsweise den Sommer im Süden verbringen oder ihnen Transport und Lagerung bei hohen Temperaturen zu riskant sind. Wir haben in diesen zehn Jahren die Erfahrung gemacht, dass Hunde auch nicht immer das gleiche fressen. Manchmal muss aus gesundheitlichen Gründen umgestellt werden oder die Kunden probieren zwischendurch einmal etwas anderes aus und kommen dann irgendwann wieder auf das Barfen zurück. Zudem ist ein Hundeleben ja leider endlich. Manchmal dauert es zwei oder drei Jahre, bis die Kunden wieder einen Vierbeiner haben und Futter bestellen.“

Zum Service gehört auch eine Ernährungsberatung.. Foto: C. Hötzendorfer

Zum Service gehört die Ernährungsberatung. War das von vorn herein klar für Sie, dass Sie diese mit anbieten wollen?

René Mahnert: „Es war schon von Anfang an klar, dass wir grundsätzlich eine Beratung anbieten wollen. Die hat sich mit den Jahren immer mehr erweitert, weil auch immer mehr Anfragen kamen. Früher haben wir das selbst gemacht. Inzwischen haben wir vier bis fünf Damen an der Hotline sitzen. Die Anfragen sind zum Teil schon sehr speziell, da wir ja auch Futter für Frettchen anbieten.“

Florian Keller: „Wir haben auch eine Tierheilpraktikerin im Team. Außerdem arbeiten wir mit einer Tierärztin und einer Biologin zusammen.“

René Mahnert: „Wenn wir eine Beratung anbieten, dann soll diese auch fundiert sein. Es gibt durch das Internet viele Foren und Veröffentlichungen, die Hundehalter auch sehr verunsichern können, gerade wenn es um das Barfen geht. Wir möchten einfach umgehen, dass die Kunden ihrem Tier durch die falsche Fütterung mehr schaden als helfen. Deshalb ist es uns sehr wichtig, eine rundum abgesicherte Beratung und Fertig-B.A.R.F. anbieten zu können. Wir haben uns Unterstützung von einer Züchterin geholt und mit ihr gemeinsam das Konzept entwickelt. Dann haben wir die Zusammenstellungen von Biologen, Tierärzten und Ernährungswissenschaftlern testen lassen. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir basierend darauf ein Produkt ohne Zusätze anbieten können.“

In Düsseldorf-Heerdt hat "Haustierkost" rund 6.000 qm zur Verfügung. - Foto: C. Hötzendorfer

Das heißt, neben verschiedenen Sorten Frisch- und Trockenfleisch, gehören Fertig-B.A.R.F., Fleisch in Dosen und Futterzusätze wie Öle, Mineralien und Vitamine zum Sortiment.

Florian Keller: „Die Dosen werden gern gekauft, wenn die Leute in Urlaub fahren. Das ist wesentlich praktischer, als mit Tiefkühlware auf Tour zu gehen.“

Das Fleisch in Dosen ist aber immer eine Sorte oder?

Florian Keller: „Ganz genau. Wir finden die Entwicklung sehr befremdlich, dass vermehrt gemischte Proteine gefüttert werden. Da finden sich dann Mischungen aus Lamm mit Huhn oder Rind mit Lamm. Wir sind für die Fütterung von Single-Proteinen. Solange diese Mischungen verfüttert werden, gibt es auch immer wieder Probleme mit Allergien. Die Motivation dahinter ist klar: Hühnerkarkasse ist beispielswiese ein sehr preiswerter Füllstoff, der dann einfach mit Pansen und Rind gemischt wird. Dann habe ich einen Artikel mit einem attraktiven Preis. Wenn ich da allerdings mit etwas Sachverstand dran gehe, weiß ich, wohin das führt. Diese Entwicklung schauen wir mit Bauchschmerzen. Auch deshalb, weil daraus resultierende Probleme sich auf die ganze Branche auswirken können. Es ist ja leider auch nach wie vor allgemeine Meinung, dass ein Tier jeden Tag immer die gleich hohe Menge an Vitaminen und Mineralstoffen benötigt. Das gibt die Natur aber gar nicht her.“

Wir Menschen ernähren uns ja auch mit dieser Prämisse. Denken Sie nur an die trendigen Superfoods, die es übrigens auch schon ins Hundefutter geschafft haben.

René Mahnert: „Ich fürchte, das ist einfach so in vielen Köpfen drin. Schauen Sie auf die Trockenfuttersäcke, welche Fütterungsempfehlungen da gegeben werden. Da steht dann immer Alleinfuttermittel drauf. Das impliziert, dass Hund oder Katze ein ganzes Leben lang, nur dieses eine Futter fressen sollten oder brauchen, um gesund zu bleiben. Das ist aber Quatsch. Die Abwechslung machts. Auch unser Fertig-B.A.R.F. ist so zusammengestellt. Alle Nährstoffe können nur gewährleistet werden, wenn abwechslungsreich gefüttert wird. Dieser Denkansatz führt mitunter zu Überdosierung und damit auch wieder zu Erkrankungen, die sich erst nach langer Zeit zeigen.“

Gibt es – abgesehen vom neusten Futtertrend der Superfoods – noch andere Trends, denen Sie kritisch gegenüberstehen?

Florian Keller: „Die Verfütterung von Insekten kommt gerade in Mode. Grundsätzlich gar nicht so verkehrt, weil sie viel Protein enthalten und die Ressourcen schonen. ABER: Die Tierchen werden gekocht und dann wieder eingefroren, um als biologisch artgerechtes Rohfutter verkauft zu werden. Das ist für uns einfach nicht ausgereift und zu Ende gedacht. Deshalb sperren wir uns dagegen.“

Verraten Sie unseren Lesern noch etwas zum Fleisch. Wird das nach der Schlachtung schockgefroren?

René Mahnert: „Genau. Es wird bei minus 30 Grad schockgefroren und wird können es täglich von unserem Lieferanten abrufen, sodass wir die Ware immer sehr schnell umschlagen können. Das erlaubt uns eine große Lagerverfügbarkeit bei einem gleichzeitig breiten Sortiment. Was wiederum den Einkauf bei uns für den Kunden attraktiv macht.“

Nachhaltigkeit ist für Sie auch ein wichtiges Thema, ebenso wie die optimale Verpackung.

René Mahnert: „Wir haben verschiedene Varianten probiert und dabei festgestellt, dass Päckchen zu 500 g beispielswiese besser zu lagern sind, als Rollen.

Nachhaltigkeit ist dem Unternehmen sehr wichtig. Die Transport- und Kühlboxen sind mehrfach wiederverwendbar. - Foto: C. Hötzendorfer

Nachhaltigkeit ist uns wirklich wichtig. Deshalb bieten wir den Kunden an, die Styropor-Kartons, die wir als Thermoboxen verwenden, um das Fleisch für den Transport kalt zu halten, wieder zurückgeben können. Dafür können sie entweder vier große oder sechs kleine dieser Boxen auf unsere Kosten an uns zurückschicken. Dafür bekommen sie dann fünf Prozent Rabatt auf die Folgebestellung. Weil wir einfach dachten, dass wir Müll vermeiden müssen. Es wird so viel weggeschmissen.

Außerdem haben wir festgestellt, dass wir diese Boxen drei- bis fünfmal wiederverwenden können. Wir arbeiten sie auf und machen sie sauber, bevor wir sie wieder auf Reisen schicken. Einige der Boxen, konnten wir so sogar schon achtmal wiederverwenden. Dadurch sparen wir Ressourcen. Der Karton, den wir als Umverpackung verwenden, wird recyclet. Die Kartonage dient als Schutz für die Thermoboxen. Aber es macht wenig Sinn sie wieder aufzubereiten, deshalb wird sie zu Altpapier.“

Claudia Hötzendorfer    

Weitere Infos unter: www.haustierkost.de

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